Botanisches Institut - Jahresbericht 2001

Das Botanische Institut ist Teil des Departements Integrative Biologie und vertritt in Forschung und Lehre das Gesamtgebiet der wissenschaftlichen Botanik an der Universität Basel. Fachliche Schwerpunkte der drei Professuren Boller, Körner und Wiemken sind die molekulare Pflanzenbiologie, die Symbioseforschung und die Pflanzenökologie. Promovierte Mitarbeiter erweitern den Themenkreis auf Gebiete wie Pflanzengenetik, Pilzsystematik, Biogeographie, Reproduktionsbiologie, Tropenbiologie, Agrar- und Forstökologie. Externe Dozierende tragen zur pflanzlichen Entwicklungsbiologie sowie zu verschiedenen Fachbereichen der Molekulargenetik, Nutzpflanzenbiologie, Phytopathologie, Bodenbiologie, angewandten Baumphysiologie, Dendroökologie und Archäobotanik bei. Zusammen mit den Diplomierenden umfasst der Mitarbeiterstab des Institutes etwa 100 Personen, von denen etwa zwei Drittel aus Drittmitteln finanziert sind.
Das Jahr 2001 verlief in Lehre und Forschung für das Institut sehr erfolgreich. Belastend wirkten sich jedoch die Unsicherheiten bezüglich der Zukunft der molekularen Pflanzenphysiologie durch die Schliessung dieses Zweiges am Friedrich Miescher-Institut aus. Auch die offene Frage der Nachfolge von Prof. Stearns am Zoologischen Institut (Evolutionsbiologie) beeinträchtigt das Gesamtdepartement und damit auch das Botanische Institut, da Studierende diese Vakanz stark wahrnehmen und bei der Studienwahl zögern. Der Weggang von Prof. Stearns hat überdies den Lehr- und Prüfungsaufwand in Pflanzenökologie und pflanzlicher Populationsbiologie spürbar erhöht, da viele Studierende mit ursprünglich zoologisch ausgerichtetem Interesse in diesen Gebieten in der Phase des Diplomstudiums in das entsprechende Gebiet in der Botanik auswichen.

Besondere Ereignisse im Jahr 2001

Im Bereich molekularer Pflanzenphysiologie und Symbioseforschung (Proff. Th. Boller und A. Wiemken) war die Forschungsarbeit auch dieses Jahr sehr produktiv (vgl. Publikationsliste). Wir konnten damit an die Erfolge anknüpfen, die unser Institut gemäss einer kürzlich Studie des "Citation Index 1997-1999" im Bereich der Pflanzenforschung zu einem der erfolgreichsten Europas macht (mit Boller, Wiemken, Körner drei Rangierungen unter den ersten zehn). Die in den letzten Jahren begonnenen Projekte zur Molekularbiologie und Ökologie der Mykorrhiza-Symbiose, zur Erforschung des Fructan- und Trehalose-Stoffwechsels bei Pflanzen sowie zum chemischen Sinn von Pflanzen machen vielversprechende Fortschritte, und ab 2002 können wir neu ein Projekt im Bereich des Nationalen Forschungsprogramms Alpen beginnen, das im Jahr 2001 bewilligt wurde. Auch dieses Jahr konnten wir über Drittmittel (Schweizerischer Nationalfonds, EU, ISCB) in der Höhe von ca. Fr. 1'000'000 verfügen. Zusätzlich investiert das Friedrich Miescher-Institut (Novartis Research Foundation) weiterhin ca. Fr. 500 kFr pro Jahr in die dortige Arbeitsgruppe von Prof. Thomas Boller. Leider wird dieses Engagement, wie erwähnt, wegen der neuen Orientierung des Friedrich Miescher-Instituts auf biomedizinische Forschung auf Ende 2003 auslaufen.
Im Bereich Pflanzenökologie (Prof. Ch. Körner) sind neben der regen Publikationstätigkeit für 2001 zwei Ereignisse besonders erwähnenswert. Die Arbeitsgruppe um Prof. Körner hat erstmals in der Geschichte der Umweltforschung in einem natürlichen, erwachsenen Wald eine erhöhte CO2-Atmosphäre simulieren können. Dies wurde durch den schweizerischen Forschungskran in Hofstetten und eine neue Technologie der CO2-Applikation erreicht, die nun als Vorbild für andere Forschungsgruppen weltweit dient. Dieses Forschungsprojekt berührt eine der zentralen Fragen der Ökologie, nämlich ob die Wälder, die die grösste biologische Kohlenstoffreserve der Welt darstellen, heute noch kohlenstofflimitiert sind. Zahlreiche Forschungsgruppen aus dem In- und Ausland nutzen inzwischen diese Forschungseinrichtung für partnerschaftliche Studien. Besonders intensive Kooperationen bestehen mit dem Paul Scherrer Institut in Würenlingen und deren Isotopen-Labor und mit der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft in Birmensdorf im Bereich Bodenbiologie.
Das zweite besondere Ereignis war die Jahreskonferenz der wissenschaftlichen Ökologie im deutschen Sprachraum am Kongresszentrum der Messe Basel. Der Kongress mit 500 Teilnehmenden verzeichnete mehr Besucher, als die vorangegangenen Veranstaltungen der letzten 10 Jahre und fand mit dem A.F.W. Schimper Gedächtnis-Symposium auch in der internationalen Szene grosse Beachtung. A.F.W. Schimper, Professor für Botanik und Dekan an der Universität Basel war einer der massgeblichen Mitbegründer der modernen funktionellen Ökologie und starb vor 100 Jahren an den Folgen einer Tropenexpedition.
Die Arbeitsgruppe Pflanzenökologie verfolgt weiterhin schwerpunktmässig Forschungsarbeiten an der alpinen Waldgrenze (2 NF-Projekte) und im Breich alpiner Reproduktionsbiologie und Genetik (PD Dr. J. Stöcklin, NF-Projekt), sowie Arbeiten zur Forstökologie (Zusammenarbeit mit dem BUWAL) und der alpinen Biodiversität (in Zusammenarbeit mit DIVERSITAS, Paris). Im Dezember erhielt die Gruppe den Zuschalg für zwei weitere 3-jahres Projekte im Rahmen des NFP 48 (Alpen). Die insgesamt im Jahr 2001 zur Auszahlung gelangten Drittmittel der Arbeitsgruppe betrugen 870 kFr. zuzüglich der Löhne für Stipendiaten aus dem Ausland (100 kFr.).
Für das gesamte Institut von Bedeutung waren erfolgreiche Ausstellungen und Führungen im Botanischen Garten, die wie bisher ein sehr grosses Echo in der Öffentlichkeit fanden. Allwöchentlich führen Mitarbeitende des Institutes und Experten von aussen für etwa 40-50 Besucherinnen und Besucher aus der Region sogenannte Feierabend-Führungen durch, die jeweils einem speziellen Wissenschaftsgebiet gewidmet sind. Eine besondere Attraktion ist nach wie vor das Viktoria- und Tropenhaus, in letzterem gedeihen unter der Hand des neuen Orchideengärtners besonders viele attraktive Orchideen. Zusammen mit dem im Vorjahr dem Institut vermachten Herbarium und der grössten Orchideenbibliothek der Schweiz (Legat Renz) und der daran geknüpften Gründung einer schweizerischen Orchideenstiftung an diesem Herbarium, entwickelt sich das Institut weiter in Richtung eines Kompetenzzentrums für diese weltweit zweitgrösste Familie aller Pflanzen. Intensive Vorarbeiten im Jahr 2001 sollen einer öffentliche Orchideenausstellung im März 2002 zu einem grossen Öffentlichkeitsecho verhelfen.

Lehre

Das Botanische Institut der Universität Basel beteiligt sich gemeinsam mit dem Institut für Natur-, Landschafts- und Umweltschutz (NLU, Abteilung Biologie) vom Jahr 2002 an am "Zentrum für Pflanzenwissenschaften", das 1997 von der ETH und der Universität Zürich gegründet wurde. Dieser Zusammenschluss soll dazu beitragen, den Verlust der Pflanzengruppen am FMI wenigstens teilweise aufzufangen; gleichzeitig ist ein Graduiertenstudium mit attraktiven gemeinsamen Lehrprogrammen geplant, das ab Wintersemester 2002/2003 beginnen soll.
Im Bereich Lehre ist das Institut durch das Nebeneinander der alten und neuen Studienordnung besonders herausgefordert. Bereits im zweiten Jahr bieten wir das Lehrangebot für die neue Studienordnung Biologie an und bereiten uns derzeit intensiv für die ab nächstem Jahr anzubietenden Blockkurse für Pflanzenwissenschaften vor. Die Studierendenzahlen sind in etwa stabil, die Zahl von Diplomierenden im Bereich Pflanzenwissenschaften ist zunehmend (derzeit laufen 15 Diplomarbeiten), ebenso der Doktorierenden, was zusammen mit Erfolgen bei der Drittmitteleinwerbung und der Rekrutierung von vom Bund bezahlten Nachwuchskräften, was viel Disziplin und Flexibilität bei der Raumnutzung erfordert (siehe unten).

Das Forschungsjahr 2000 am Botanischen Institut

Wie schon in den vergangenen Jahren war das Botanische Institut weiterhin erfolgreich bei der Einwerbung von Projektmitteln, die es möglich machen trotz geringem Festpersonal international kompetive Forschung zu betreiben (s. u. besondere Auszeichnungen). Diese Mittel decken den Grossteil der Forschungsausgaben. Hier in Kürze die wichtigsten Forschungsthemen, zu denen meist weitere Informationen in den untengenannten Web-Seiten zu finden sind.

Problemfelder (Th.Boller und A. Wiemken)

Belastend für die Mitarbeiter des Botanischen Institutes ist neben der massiven Lehrbelastung vor allem die Raumsituation. Die Mehrzahl unserer Mitarbeiter muss ihren Arbeitsraum mit drei bis fünf Personen teilen, was viele Mitarbeitende veranlasst, für Schreibarbeiten nachhause auszuweichen. Im Bereich Pflanzenphysiologie wird die Situation noch dadurch erschwert, dass Aktivitäten aus dem Bereich Friedrich Miescher-Institut in die bereits engen Raumverhältnisse an der Hebelstrasse übernommen werden müssen. Der Ausbau der pflanzlichen Populationsökologie im Bereich Schönbeinstrasse schafft ähnliche, wenn auch nicht gleichermassen gravierende Probleme. Mit der Nachbesetzung der Vakanz in der Zoologie erwarten wir bei den Diplomierenden eine spürbare Entlastung.