Jahresbericht 2004 des Botanischen Institutes, Abteilung Ökologie

Forschung

An der Abteilung Ökologie (Prof. Körner, PD Stöcklin, PD Hättenschwiler) liefen im Jahr 2004 sechs Nationalfondsprojekte (drei Projekte der Abt. III, zwei Projekte NFP48, NCCR Climate) und ein europäisches Projekt (COST). Schwerpunkte dieser Forschungsarbeiten sind die Global Change Forschung (vier CO₂-Projekte, eines an der Waldgrenze bei Davos, drei am Swiss Canopy Crane bei Basel, http://pages.unibas.ch/botschoen/07/d.shtml), sowie zwei Projekte zur genetischen Ökologie und Evolutionsbiologie von Alpenpflanzen und ein Projekt zur Klärung der funktionellen Bedeutung der Biodiversität in steilem Gelände.
In der CO₂-Forschung, die hier beispielhaft angesprochen werden soll, hat sich die Forschungsgruppe international sehr gut positioniert, indem sie weltweit den einzigen CO₂-Anreicherungsversuch im Gebirgswald und ebenso den einzigen an einem ausgewachsenen Naturwald in Tallage unterhält. Diese beiden Projekte sind unter der gegenwärtigen Alimentierung des Schweizerischen Nationalfonds trotz ihres internationalen Renommées und der Einzigartigkeit fast nicht finanzierbar. Die Gruppe ist erstmals mangels wissenschaftlichem Personal an Betreuungsgrenzen im Unterricht gestossen, da die Forschungsmittel lediglich für den Betrieb der zwei Forschungsstationen, nicht jedoch für Nachwuchskräfte in der Forschung reichen. Leider ist für experimentelle Forschung im Freiland niemand in diesem Land zuständig. Die Universitäten als Träger sind für die feste Infrastruktur in Gebäuden und Labors zuständig, der Nationalfonds seinerseits wiederum sagt, Infrastruktur ist Universitätsangelegenheit und fühlt sich für solche Einrichtungen nicht wirklich zuständig. Dies schafft fast unlösbare Verhältnisse und zwingt die Forschung quasi ins Labor, obwohl sie in diesem Wissensschaftsbereich eigentlich ins Feld gehört.
Herausragende Resultate dieses Jahres - des vierten der beiden parallelen Grossversuche im Feld - waren folgende Erkenntnisse: (1) im Schutzwald der Zentralalpen eine erhöhte CO₂-Konzentration eine Wachstumsförderung der sommergrünen Lärche, jedoch keine Stimulierung der Bergföhre induziert. (2) Durch Jahrringanalyse am Swiss Canopy Crane Projekt konnte gezeigt werden, dass CO₂ lediglich im ersten Jahr der Behandlung eine vorübergehende Wachstumsförderung der hundertjährigen, 35 Meter hohen Bäume bewirkt, danach die Werte jedoch gegen null pendeln. Dies bedeutet, dass globale Hochrechnungen zur verstärkten Kohlenstoffspeicherung infolge CO₂-stimulierten Waldwachstums revidiert werden müssen. Der Kohlenstoffdurchsatz durch das System ist jedoch massiv erhöht, was alle Prozesse, einschliesslich des Insektenfrasses in den Baumkronen und der mikrobiellen Aktivität im Boden beeinflusst.
Die Forschung im Gebirge machte klar, dass der Mensch durch Landnutzung nachhaltig evolutive Prozesse beeinflusst (z.B. Polyploidie fördert) und Pionierpflanzen der jetzt rasch grösser werdenden Gletschervorfelder es schaffen, trotz räumlicher Isolation eine erstaunlich hohe genetische Diversität aufrecht zu halten. Wir konnten auch zeigen, dass eine Stickstoffbefrachtung des Regens im Ausmass der halben (!) Belastung des Niederschlags von in Basel oder Luzern im Hochgebirge signifikanten Einfluss auf das Wachstum der Vegetation hat, dort also einen im hohem Ausmass umweltrelevanten Faktor darstellt.

Lehre

Das B.Sc.-Programm Biologie im dritten Jahr lief klaglos, auch wenn sich Studierende über die ungewöhnliche Befrachtung des Studiums mit nichtbiologischer Grundausbildung und den festen Stundenplan beklagen und lieber mehr Zeit für biologische Themen investieren würden. Dies zeigt sich auch klar in der Preferänzierung des Angebotes in organismischer Biologie im abgelaufenen Studienjahr. Der Zustrom an neuen Studierenden ist enorm und wird das Instiut in naher Zukunft vor unlösbare Probleme stellen, wenn nicht entweder ein Numerus clausus eingeführt oder das Personal aufgestockt wird.
Das M.Sc. Ökologie (Ecology) Programm wurde im Wintersemester 2004/05 erfolgreich aufgenommen. Die ca. 10 Erstinskribenten (davon sind zwei eigens aus dem Ausland hierher gekommen) absolvierten im Wintersemester den Grossteil der Theorieausbildung und bereiten sich derzeit auf die Masterarbeiten vor (Schwerpunkt in Conservation Biology in NLU, Schwerpunkt in experimenteller Ökologie/Populationsbiologie an der Abteilung Ökologie). Mit dem dazustossenden nächsten Jahrgang dürfte sich die Zahl der gleichzeitig M.Sc.-Studierenden verdoppeln, und wir rechnen aufgrund von Anfragen mit weiterem Zuzug von auswärtigen Studierenden.

Probleme

Die Abteilung litt dieses Jahr besonders unter der Knappheit von Ausstattung mit Betriebsmitteln und Apparatemitteln. Wichtige Investitionen konnten nicht getätigt werden, und der Gerätepark veraltet zusehends. Dies betrifft gleichermassen das molekulargenetische Labor der Abteilung wie die Ausrüstung mit Grundgeräten der Experimentalökologie. Es müssen immer noch Geräte, die eigentlich für die Forschung bestimmt sind, auch im Kursbetrieb eingesetzt werden, was zu unliebsamen Ausfällen führt.
Bezüglich weiteren Informationen und der Publikationsliste der Abteilung verweisen wir auf die Webseite (http://pages/unibas.ch/botschoen).