Jahresbericht 2006 des Botanischen Instituts, DUW

2006 war formell das erste Jahr im neuen Departement für Umweltwissenschaften, DUW, es war ein Jahr der Absprachen und des “an sich Gewöhnens”. Die Amtsgeschäfte wurden über den ersten Departementsvorsteher, Jörg Schibler abgewickelt, Budget und Personal bewegten sich aber noch in den bisherigen Geleisen. Im Laufe des Jahres gab es mehrfach organisatorische Diskussionen, die vor Jahresende zu einer ideelen Aufteilung in Wissenschaftsbereiche führten, indem die organismische Biologie (bisher DIB) eine Gruppierung bildet. Eine zweite bilden alle Geowissenschaften inklusive MGU, eine dritte, kleinere Einheit IPNA und der Geographische Teil vom NLU. Darüber hinaus wurden die bisherigen wissenschaftlichen Kontakte im Departement gepflegt aber keine neuen begründet, da sich das aus der Sache nicht ergab.
Das Botanische Institut beschloss als Sachwalter der Pflanzenwissenschaften in Basel, sowie als international bekannte Adresse für herausragende Forschung, seine Identität nicht aufzugeben. Das Institut mit seinen drei Professuren ist Hort wichtiger Sammlungen, ist verantwortlich für den Botanischen Garten, ist Partner des Zürich-Basel Plant Science Centers, und als Partnerinstitution und Adresse für Stiftungen und Vereine wichtig:
  • Stiftung zur Förderung der Pflanzenkenntnisse
  • Schweizerische Orchideenstiftung am Herbarium Janny Renz
  • Becherer Fonds
  • Basler Botanische Gesellschaft mit gemeinsamen Veranstaltungen
  • Verein Botanischer Garten beim Spalentor
  • Verein ALPFOR, der Träger der seit 3 Jahren in Planung befindlichen Forschungs- und Ausbildungsstation am Furkapass
  • Diese Identität beruht auf einem ausgeprägten fachlichen Zusammenhalt und auf gemeinsamen Aufgaben, auch wenn für die Universitätsleitung das DUW die einzig relevante Organisations- und Budgeteinheit ist. Das Botanische Institut ist damit zwar keine “Rechtsperson” im juristischen Sinn mehr, aber weiterhin ein starker ideeller Wert und ein Markenzeichen, das national und international eine ausgezeichnete Ausstrahlungskraft hat.
    Mit der Neuorganisation der Departementsstruktur hat auch die völlig inaktive, formell nie aufgelöste “Botanische Kommission”, die seitens der Öffentlichkeit eine Art Überwachungsfunktion der “Anstalt” Botanisches Institut wahrzunehmen gehabt hätte, de facto ihr “Objekt” verloren und damit aufgehört zu existieren.

    Lehre

    Das Jahr 2006 war in der Lehre geprägt vom übergrossen Andrang an Studierenden, mit Teilnehmerzahlen in den Blockkursen Pflanzenbiologie und Ökologie um die 50. Die Universität half mit einer Sonderzahlung für zusätzliche Lehrbeauftragte aus.

    Forschung

    In der Forschung behielt das Institut seine international gute Position und Ausstrahlung, was an den im Publikationsverzeichnis aufgelisteten Veröffentlichungen, den Zitationsraten und den Erfolgen in der NF- und Drittmitteleinwerbung zum Ausdruck kommt. Ein wesentlicher Wechsel in den Forschungsrichtungen gegenüber 2005 trat nicht ein.
    Cyril Zipfel, der im Jahr 2005 bei Prof. Boller doktoriert hatte, wurde 2006 sowohl mit dem Fakultätspreis der Phil.-Nat. Fakultät als auch mit dem Ed-Fischer-Preis des Friedrich-Miescher-Instituts ausgezeichnet. Diese Auszeichnungen beruhten nicht zuletzt darauf, dass eine wichtige Entdeckung von Cyril Zipfel im Labor Boller, nämlich die Identifizierung des EF-Tu-Rezeptors, in der renommierten Zeitschrift CELL publiziert werden konnte (Zipfel, C., Kunze, G., Chinchilla, D., Caniard, A., Jones, J. D. G., Boller, T., and Felix, G. 2006. Perception of the bacterial PAMP EF-Tu by the receptor EFR restricts Agrobacterium-mediated transformation. Cell 125, 749-760). Im Jahr 2006 verliess uns ein langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter, Dr. Georg Felix, um eine Biochemie-Professur an der Universität Tübingen anzutreten. Auch Dr. Silke Robatzek zog von Basel weg: Sie nahm eine Gruppenleiterstelle am Max-Planck-Institut Köln an. Mit beiden ehemaligen Mitarbeitenden bleiben wir in intensivem Kontakt und hoffen, dass unser Netzwerk zu weiteren spannenden Ergebnissen im Bereich der pflanzlichen Immunität führt.
    Aus der Arbeitsgruppe Körner schied PD Dr. Stephan Hättenschwiler zwar bereits 2005 aus, um eine leitende Stelle bei CNRS in Montpellier anzutreten. Er wirkte aber noch bis zum Abschluss der von ihm betreuten Doktorarbeit bis Herbst 2006 als externer Dozent. PD Dr. Gerhard Zotz schied im Frühjahr 2006 aus und trat eine C4 Professur in Oldenburg an. Das Projekt mit der grössten internationalen Ausstrahlung ist nach wie vor der beim “Swiss Canopy Crane” in Hofstetten laufende CO₂-Versuch an erwachsenen Laubbäumen. Das Experiment deckt bisher 6 volle Wachstumsperioden ab (siehe auch Asshoff et al.- und Keel et al.-Publikationen).

    Botanischer Garten

    Der Botanische Garten schloss das Jahr mit einer mehrmonatigen, sehr gut besuchten Ausstellung über das Pflanzenleben im Schatten tropischer Wälder ab. Besondere Neuheit von bleibendem Wert ist eine gestiftete Glastreppe im Tropenhaus über die man in das Blätterdach gelangen kann. Die wöchentlichen “Feierabendführungen” zogen jeweils 20-40 Besucher an und boten einer breiten Öffentlichkeit Einblicke in die Botanik. Gestaltet wurden diese Anlässe von den Mitarbeitern des Gartens, des Institutes und von externen Referenten. Die Orchideenstiftung vergab den ersten Forschgungsaward an Dr. Ernst Grell, der im Jahr 2007 als Gastforscher am Botanischen Institut wirken wird.